Hessischer Bibliothekspreis 2019 geht nach Münster und Altheim

Die Büchereien Münster und Altheim werden wird mit dem renommierten Hessischen Bibliothekspreis 2019 ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte und von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen gestiftete Preis wurde am Montag beim Hessischen Bibliothekstag in Marburg überreicht. Damit hat sich Münster als verhältnismäßig kleine Bücherei, die mit ihrem starken generationenübergreifenden Angebot punkten konnte, gegen eine hochkarätige Konkurrenz großer Stadtbibliotheken durchgesetzt.
„Der Hessische Bibliothekspreis wird in jedem Jahr an eine öffentliche Bücherei vergeben für die besonders gelungene Umsetzung eines Bibliothekskonzeptes oder -angebotes, das in den kulturellen Kontext der Kommune integriert ist, das durch eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit vermittelt wird und das Aspekte der Kundenorientierung berücksichtigt“ – so heißt es in der Preisausschreibung. In allen Bereichen konnten die Büchereien Münster und Altheim punkten und sich gegen ihre starke Konkurrenz durchsetzen. Am Montag ist die Entscheidung gefallen: Der 22. Hessische Bibliothekspreis geht nach Münster.
Matthias Haupt von der Sparkassen-Kulturstiftung lobte die nachhaltige und selbstbewusste Arbeit der Büchereien Münster und Altheim und ihr beeindruckendes Veranstaltungsprogramm.
Mehr als „nur“ Medien ausleihen.
Die Münsterer Bücherei und die Zweigstelle in Altheim bieten viel mehr als „nur“ Medien zum Verleih. Mit einem breiten Veranstaltungsangebot und Projekten für alle Zielgruppen sind sie „Schnittstelle für alle Generationen, sozialer Treffpunkt, kulturelle Einrichtung und literarischer Mittelpunkt in Einem“, wie es Büchereileiterin Jasmin Frank-Holzfuß auf den Punkt bringt, die betont: „All unsere Projekte sind nur möglich durch den engagierten Einsatz unserer ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer“. Genau das hat auch die Jury überzeugt. Um nur einige Beispiele zu nennen: Schon die Jüngsten werden mit der regelmäßig Vorlese-Reihe „Vorlesen ab drei – sei mit dabei!“ ans Buch herangeführt, Kindergarten- und Schulkinder können einen Büchereiführerschein ablegen. Eltern und Fachkräfte profitieren von Veranstaltungen in Kooperation mit dem Landesverband für Legasthenie und Dyskalkulie. Globale Anliegen erhalten durch Projekte in Zusammenarbeit mit dem „Eine Welt Verein“ Gehör, örtliche Künstlerinnen und Künstler können ihre Werke in der Bücherei ausstellen. E-Reader-Sprechstunden führen Interessierte in die neue digitale Welt des Lesens ein. Speziell für die ältere Generation werden gemeinsam mit der katholischen Erwachsenenbildung Fachärzte und Spezialisten zu Vorträgen rund um Gesundheitsthemen eingeladen, bei „Vorlesen – Erinnern – Erzählen“ lassen Lesepaten die 50er und 60er Jahre wieder aufleben.
Kleines Team mit großem Engagement
All das wird realisiert mit nur 1,5 Personalstellen, die sich auf fünf Mitarbeiterinnen verteilen. Ohne reichlich Einsatz und Herzblut auch außerhalb der Arbeitszeit sowie die Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer ginge das natürlich nicht. „Ich bin sehr stolz auf das engagierte Team in unseren Büchereien Münster und Altheim, das nicht nur dafür sorgt, dass man sich als Leserin oder Leser rundum gut aufgehoben fühlt und immer etwas Spannendes zum Ausleihen findet, sondern das auch erheblich dazu beiträgt, das gemeindliche Zusammenleben in jeder Hinsicht zu bereichern“, sagt Abteilungsleiter Olaf Burmeister-Salg. Bürgermeister Gerald Frank hebt hervor: „Die Büchereien haben sich in den vergangenen Jahren, seitdem Frau Frank-Holzfuß die Leitung übernommen hat, zu einem wichtigen Standbein des kulturellen und gesellschaftlichen Angebots in unserer Gemeinde entwickelt.“
Für den großen Erfolg des Konzepts spricht auch die Tatsache, dass die Zahl der Entleiher – entgegen dem allgemeinen Trend – in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert werden konnte: Von 853 im Jahr 2011 auf zuletzt fast 1.500 im Jahr 2017.
Kreative Bewerbung
Nicht nur mit dem breiten Angebot selbst, sondern auch in punkto Kreativität der Bewerbung hat Münster sich von anderen Bewerbern abgehoben: Denn wie könnte man die Vorzüge einer Bücherei besser zur Geltung bringen als mit einem Buch? Genau diese Idee hat Lena Brunn, zuständig für das Kulturprogramm in der Abteilung Wirtschaftsförderung, Kultur, Sport und Soziales, in die Tat umgesetzt und ein Buch gestaltet, das bei der Entscheidung der Jury das Tüpfelchen auf dem i war. „Das Preisgeld, das wir erhalten, ist zweckgebunden für Ausgaben der laufenden Büchereiarbeit, deshalb werden wir es in Medien investieren, deren Anschaffung mit unserem regulären Budget nicht möglich wäre und speziellen Themen wie Leseförderung, Fremdsprachlichkeit und Leben im Alter gewidmet wird“, kündigt Jasmin Frank-Holzfuß an. „Außerdem wollen wir unsere Reisebuchabteilung, die auch Wandern und Radfahren beinhaltet, weiter ausbauen.“ Wie groß die Konkurrenz beim Hessischen Bibliothekspreis stets ist, zeigt ein Blick auf die früheren Preisträger: Dazu zählen unter anderem die Stadtbibliotheken aus Wiesbaden, Oberursel, Bad Homburg, Darmstadt und Gießen.

Text und Bild: Meike Mittmeyer-Riehl